Akteurinnen

Daniela Dröscher

»Die Herkunft bestimmt mit über das, was ich als selbstverständlich empfinde: darüber, wie ich spreche, wie ich fühle, mich bewege, was ich für normal halte und was nicht – kurz, über meine soziale Grammatik.«

Peggy Mädler

»Herkunftsräume – das sind nicht nur die Orte, Landschaften und Länder, in die Menschen hineingeboren werden, in denen sie aufgewachsen, von denen sie vielleicht weggehen oder weggehen müssen. Dazu gehören auch die Glaubenssätze der Kindheit bzw. des sozialen Milieus, aus dem man kommt, politische und kulturelle Prägungen, dazu gehören persönliche Erinnerungsräume und die vielen familiären Geschichten, die man hütet wie einen Schatz oder im Weitergehen abzustreifen versucht.«

Tamara Trampe

»Geboren bin ich auf einem Schneefeld in Russland. Mein Erzeuger ist unbekannt. Meine Mutter war Krankenschwester in der Roten Armee. Sie bringt mich zur Großmutter in die Ukraine. Dort bin ich bis zu meinem siebten Lebensjahr. Ich bin ein Dorfkind, bin es immer geblieben. Die nächsten 71 Jahre lebe ich in Deutschland. Meine Mutter folgte einem deutschen Antifaschisten in dessen Heimat. Meine Herkunft aber sind ukrainische Bauern und Hühner und Ziegen, sie sind mir bis heute näher als Autos und Straßenbahnen.«

Jessy James LaFleur

»Zwischen den Identitäten zu stehen hat mir meine Jugend sehr schwer gemacht. In Belgien war mein Deutsch zu klar, was mich zum Nazi machte, und in Deutschland zu belgisch. In meiner Geldbörse gab es stets Mark, Franken und Gulden. Ich wusste immer genau, was wo wie viel kostet, die verschiedenen Worte, alles. Ich habe mir als Kind darüber nie Gedanken gemacht, als Jugendliche aber wurde es schwerer, auch weil ich mir stets bewusst war, dass ich nur eine belgische Aufenthaltserlaubnis hatte, da ich durch meine zufällige Geburt in Deutschland Anrecht auf einen deutschen Pass hatte. Ich sage heute immer: Ich bin Europa – oder das, was Europa sein sollte.«

(zebrabutter.net: Interview mit Jessy James LaFleur, Martin Spieß, 12. Mai 2017)